Chronische Schmerzen: neurozentrierte Strategien bei komplexen Fällen
Ein ursachenorientierter Zugang
Dieses Seminar wird voraussichtlich demnächst zur Anmeldung frei geschalten. Bei Fragen wenden Sie sich gerne an office@phydelio.at
In der neurozentrierten Therapie gilt Schmerz als Aktionssignal des menschlichen Nervensystems basierend auf einer individuellen Bedrohungswahrnehmung. Genau dieser Ansatz kann die Perspektive auf die Behandlung chronischer Schmerzen und komplexer Fälle auch in der Physiotherapie verändern: nicht symptom- sondern ursachenorientiert.
Inhalt:
In diesem interaktiven Seminar geht es darum, den Ansatz zu wählen, dass die reine Behandlung an einer betroffenen Struktur nicht ausreichend sein kann, da Schmerz ein komplexes individuelles Produkt des Nervensystems ist.
Aus neurowissenschaftlicher Sicht filtert das Nervensystem dauerhaft die Umwelt, sowie die Informationen aus dem Körperinneren und bewertet diese hinsichtlich der ersten und wichtigsten Aufgabe des Nervensystems: Sicherheit.
„Ist diese Situation sicher?“ ist hier die entscheidende Frage. Nachhaltige und langfristige Therapie sollte demnach darauf abzielen, dem Nervensystem mehr Sicherheit auf verschiedenen Ebenen zu vermitteln, um das Aktionssignal Schmerz nicht mehr zu benötigen.
Der Fokus liegt hierbei darauf, dem individuellen Nervensystem über eine Optimierung des sog. Inputs mehr Sicherheit zu vermitteln. Als Schwerpunkte werden die Regulationsfähigkeit des Autonomen Nervensystems (u.a. über Atmung, Nervus Vagus) sowie die Optimierung der Bewegungssteuerung über Visus, Vestibularsystem und Propriozeption mit Hilfe präziser Testverfahren und effektiver Übungen behandelt.
Ziel:
Die Teilnehmenden lernen die ...
- Bedeutung des Nervensystems im Kontext chronischer und komplexer Schmerzen kennen und können
- mit dem neurozentrierten Ansatz ihr Repertoire der Behandlungsoptionen erweitern.
Methode:
- Theorievortrag & Präsentation
- Praktische Übugen und Demonstrationen
- Zeit für Fragen
Basierend auf reichhaltiger Literatur ist ein wichtiger Fokus des Seminars die direkte Anwendung. Praktische Teile und bildlich dargestellte wissenschaftliche Inhalte bilden einen interaktiven Rahmen. Das Verhältnis zwischen Theorie und Praxis beträgt etwa 50:50.
Empfohlene Kernliteratur für die Vorbereitung
- Melzack (1999/2001) für Neuromatrix und modernes Schmerzverständnis.
- Butler & Moseley (Explain Pain) sowie Louw et al. (2011/2016) für Schmerz-Edukation.
- Moseley (2004/2006), Bowering et al. (2013) und Moseley & Flor (2012) für brain-based Interventionen.
- Catley et al. (2014), Moseley et al. (2009) und Flor (1995/2002) für sensorische Diskriminierung und kortikale Reorganisation.
- Costa et al. (2024) sowie Liu et al. (2024) für Vagusnerv-Stimulation und autonome/neuroimmune Mechanismen.